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Glaubwürdigkeit der Medien

WDR

Auftraggeber: WDR

Die deutschen Medien finden bei den Bundesbürgern insgesamt eine eher positive Bewertung bei gleichzeitig erkennbarer Distanzierung in Teilen des Publikums. Die Hälfte betrachtet die Informationen in den deutschen Medien insgesamt als glaubwürdig, vier von zehn äußern dagegen Zweifel. Während sich ihr eigenes Vertrauen in die Medien nach Auskunft einer Mehrheit in den letzten Jahren nicht geändert hat (57 Prozent), signalisiert gut jeder dritte Bundesbürger (37 Prozent) ein gesunkenes Medienvertrauen. Hinter diesen allgemeinen Urteilen verbergen sich allerdings medienspezifisch deutlich variierende Bewertungen. Als glaubwürdige Medien gelten bei einer übergroßen Mehrheit öffentlich-rechtliches Fernsehen bzw. Radio (71 bzw. 77 Prozent) sowie die Tageszeitungen (65 Prozent). Demgegenüber werden insbesondere das Internet (30 Prozent) sowie die Boulevardmedien (7 Prozent) seltener als glaubwürdig betrachtet.

Dass die Politik den Medien inhaltliche Vorgaben für die Berichterstattung macht, kann sich gut die Hälfte der Bundesbürger nicht vorstellen. 42 Prozent sind demgegenüber von einer solchen politischen Einflussnahme überzeugt. Ebenso viele (39 Prozent) glauben, dass in den deutschen Medien immer bzw. häufig absichtlich die Unwahrheit gesagt wird. Den im Umfeld der Pegida-Bewegung benutzten Begriff der Lügenpresse zur Charakterisierung der Medienlandschaft insgesamt, würden sich allerdings mit 20 Prozent nur halb so viele Bundesbürger persönlich zu eigen machen. Dies liegt nicht zuletzt an einer differenzierten Medien-Perspektive der Bevölkerung: Wer von häufigeren Unwahrheiten ausgeht, unterstellt ein entsprechendes Fehlverhalten insbesondere den Boulevardmedien (42 Prozent), verdächtigt aber beispielsweise den öffentlich-rechtlichen Hörfunk kaum (7 Prozent).

 

Vergleichsweise mediendistanziert sind die AfD-Anhänger. Den von Pegida genutzten Lügenpresse-Begriff trägt mehr als die Hälfte der AfD-Anhänger mit. Etwa zwei Drittel von ihnen halten die deutschen Medien insgesamt für unglaubwürdig, ebenso viele vermelden ein gesunkenes Medienvertrauen. Ähnlich groß ist die Zahl der AfD-Anhänger, die von Medienvorgaben seitens der Politik ausgehen sowie von häufigen oder durchgängigen Unwahrheiten in der medialen Berichterstattung. Dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen wird dabei besonders misstraut. Das Internet gilt dagegen bei den AfD-Anhängern als weniger verdächtig und besitzt für sie als politische Informationsquelle einen wesentlich höheren Stellenwert als in den Reihen anderer Parteien. Bedenklich ist die Mediendistanz im Nichtwählerlager. Auch hier gehen jeweils sechs von zehn von politischen Vorgaben und häufigen Unwahrheiten in der Medienberichterstattung aus. Vier von zehn Nichtwählern haben zudem kein Problem mit dem verallgemeinernden Begriff der Lügenpresse.   


Studieninformation

Grundgesamtheit:Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl / Dual-Frame

Erhebungsverfahren:Computergestützte Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:750 Befragte

Erhebungszeitraum:29. bis 30. Oktober 2015

Schwankungsbreite:750 Befragte: 1,2* bis 3,5** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 5% ** bei einem Anteilswert von 50%

Durchführendes Institut:infratest dimap